Klein aber fein – E-Sportler: CS:GO-Team „Fire“ von „Munich eSports“

Klein aber fein - E-Sportler: CS:GO-Team "Fire" von "Munich eSport"

In unserer Serie „Klein aber fein – E-Sportler“ möchten wir euch die kleinen bis mittelgroßen E-Sportler und E-Sport-Teams vorstellen, die am Beginn ihrer Karriere stehen und Großes erreichen möchten. E-Sportler (oder Teams) die bereits in den Endrunden großer Turniere waren, oder daran teilnehmen, zählen nicht dazu.

In unserem neuen Artikel stellen wir euch das CS-GO-Team „Fire“ von „Munich eSports“ vor.

Bei einem gemütlichen Discord-Interview haben die Jungs aus ihren Erfahrungen, dem Nähkästchen, ihren Wünschen und von ihren Zielen berichtet. Wie aus einer Studentenvereinigung ein E-Sportverein wurde, welche Waffe am meisten Peng macht und was die Freunde und Familien zu dem Thema zu sagen haben.

Legen wir los mit den Vorstellungen der einzelnen Mitglieder:

Stellt euer Team vor:

_Seeeyaa: „Also ich bin der Yannick, 23 Jahre alt und spiele CS:GO seit mittlerweile sechs Jahren. In diesem Team bin ich jetzt seit gut über einem halben Jahr.“

[fake]maxxe: „Ich bin der Max, oder mit Spitzname [fake]maxxe, bin 25 Jahre alt und bin ungefähr seit der Gründung von Munich eSports im Oktober 2019 dabei. Ich bin der Main AWPer im Team Fire und bin auch derjenige, der sich hauptsächlich um die ganze Serverstruktur kümmert.“

MBH40: „Mein Name ist Andre und ich bin 31 Jahre alt. Ich wohne in München und das ist auch der Grund, warum ich bei Munich eSports bin.“

oRioN: „Ich bin der Chris und bin 21 Jahre alt.“

StoneX: „Mein Name ist Patrick und ich bin 19 Jahre alt. Ich spiele Counterstrike seit 2014 – weiß nicht, ob ich das so sagen kann, weil es ja nicht so ganz erlaubt war (Anm. d. Red.: Ja darf man). 2015 habe ich bereits angefangen, in Teams zu spielen, war Captain, habe viel organisiert und dadurch viel Erfahrung sammeln können. Jetzt bin ich eben bei Munich eSports, habe den Verein auch mitgegründet, weil es in München noch keine E-Sportorganisation gab. Ich finde es sehr gut, ein lokales Team zu haben, wo man sich auch mal privat treffen kann. In der Abteilung Counterstrike bin ich auch in der Leitung tätig und habe dieses Team seit Februar 2020. Ich studiere hier an der TUM (Anm. d. Red.: Technische Universität München) Wirtschaftsinformatik.“

Munich eSports - CS:GO Team Fire
Mitglieder der CS:GO-Abteilung von Munich eSports bei der Gründungsfeier
Wie seid ihr zu CS:GO bzw. zum Team gekommen?

_Seeeyaa: „Wir haben früher, da war ich vielleicht 11 oder 12, die typischen LAN-Parties veranstaltet, wo wir dann noch Version 1.6 gespielt haben. Davon bin ich aber erst mal wieder weggekommen. Irgendwann haben mich meine Freunde gefragt, ob ich nicht mal wieder mitspielen möchte. Während ich also weiterzockte und gegrindet habe, haben die irgendwann aufgehört zu spielen. Zum Team bin ich über das Forum von 99 Damage gekommen. Ich hatte einfach wieder mehr Lust, das Spiel aktiv kompetitiv zu spielen. Munich eSports suchte dort Leute und ich, als gebürtiger Münchner, habe den Verein dann direkt angeschrieben.“

[fake]maxxe: „Das sind zwei komplett unterschiedliche Geschichten. (Lacht) Ich habe Counterstrike zwar schon 2013 bei Steam im Angebot gekauft, aber erst 2014 damit angefangen, als auch ein paar Freunde gezockt haben. Ich war damals nicht wirklich gut und wurde im Silberbereich eingeranked. Ein Jahr später habe ich dann angefangen, mich aktiv zu verbessern. Durch mein Studium bin ich nach Passau gezogen, wo es leider kein E-Sportteam gab. 2017 bin ich dann nach München zurückgezogen und habe bei meinem Werkstudentenjob zufällig erfahren, dass es an der TUM eine Studentenvereinigung gibt, die Leute im Bereich CS:GO suchen.

Ich bin dann dort eingestiegen und war dann Captain des zweiten Teams der Studentenvereinigung. Und diese Studentenvereinigung wurde dann ungefähr ein halbes Jahr später zu Munich eSports. Das Team hat aber für mich nicht ganz gepasst und irgendwann habe ich dann mit ein paar anderen Leuten ein neues Team gegründet. Da wir das dritte Team waren, war die Namenskonvention vorgegeben. Das erste Team ist immer das Mainteam, das zweite Team immer Academy und wir als drittes Team waren dann Fire. Das Team ist auch schon durch mehrere Iterationen gegangen. Ich bin aber bereits seit Langem dabei, ungefähr ein dreiviertel Jahr.“

MBH40: „Ich bin mehr oder weniger durch einen Kumpel auf Counterstrike gekommen. Als er mir das Spiel gezeigt hatte, fand ich es erst nicht so toll – trotzdem hat es mich dann irgendwann gepackt. Sehr viel Spaß hat mir allerdings das Teamspiel von Counterstrike gemacht, weil man eben als 5er-Gruppe agieren muss, um die Gegner auszuspielen. Zum Team bin ich über eine Webseite gekommen, die mit Counterstrike zu tun hat. Da hat jemand nach Spielern gesucht und ich dachte mir so: Cool – Munich eSports…Münchner Verein…kann was werden. So bin ich dann im Februar 2019 zu dem Team dazu gestoßen.“

oRioN: „Ich habe schon ziemlich früh viele Spiele ausprobiert, doch Counterstrike hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin. CS:GO spiele ich jetzt seit ungefähr vier Jahren. Zum Team bin ich über einen 99 Damage-Aufruf gekommen. Dort wurde ein Spieler gesucht und ich habe mich gemeldet. So bin ich dann dazugekommen. Ich spiele jetzt seit knapp einem halben Jahr bei Team Fire und spiele eher die Entry-Position.“

StoneX: „Mit Freunden habe ich in der Schule, da war ich so 13, angefangen, COD zu zocken. Das war damals noch Modern Warfare 2. Ganz geiler Klassiker! Zwei meiner Freunde haben dann mit Counterstrike begonnen und haben mir das Spiel empfohlen. Mit einem anderen Kumpel habe ich mir das dann angeschaut und bin mit ihm dann durchgestartet. Wir haben dann so drei bis vier Jahre in Teams gespielt. Also im Endeffekt bin ich durch Freunde an das Spiel gekommen. Den Rest habe ich ja schon in der Einleitung zu mir erzählt.“



Was sind eure Lieblingsmaps bzw. welcher Modus? Welche Waffen bevorzugt ihr?

_Seeeyaa: „Meine Lieblingsmap ist Overpass, ich komme aber eigentlich mit jeder Map zurecht. Nur Mirage und Cache liegen mir nicht so ganz. Meine Lieblingswaffen sind die AK-47 und die AWP, da ich Second AWPer im Team bin. Deshalb sind das auch meine Lieblingswaffen. Mein Lieblingsmodus ist Faceit 5vs5 mit verschiedenen Freunden.“

[fake]maxxe: „Hmmmmmm – am allerliebsten spiele ich immer noch 5vs5 im Team. Da macht es am meisten Spaß, weil man da noch Ehrgeiz entwickelt. Ansonsten spiele ich auch gerne die 1vs1 oder 2vs2 Modi, wo es nur auf das Aim ankommt. Also ohne Granaten oder irgendwas – nur Aim. Diesen Modus habe ich locker auch mehrere hundert Stunden gespielt. Meine Lieblingswaffe ist die Desert Eagle. Sie ist zwar schwierig in der Handhabung, aber wenn man sie gut beherrscht, ist es eine fantastische Waffe. Knapp dahinter kommen dann die AK-47 und die AWP.“

MBH40: „Mein Lieblingsmodus ist kompetitiv bzw. Deathmatch. Von den Karten mag ich die Aim-Maps am liebsten, damit man auf einem Level bleibt. Ansonsten mag ich die Map Inferno ganz gerne. Bei den Waffen bevorzuge ich die AK-47 und das M4A1-S.“

oRioN: „Ich spiele ganz gerne mit der AUG auf den Maps Dust 2 und Overpass.“

StoneX: „Ach du Schande! (Überlegt) Da gibt es nur den einzig wahren Modus, nämlich 5vs5 Wettkampf. Die anderen sind zwar auch lustig, werden aber meist nur zum Aufwärmen benutzt und z.B. für Aim-Training. Vor Wettkämpfen spielen wir auch mal ’ne Runde Flying Scoutsman. Manchmal spiele ich auch den Modus Wettrüsten, wenn mir langweilig ist. Meine Lieblingsmap ist momentan Inferno, gefolgt von Nuke. Bei den Waffen tendiere ich zur AK-47 und der M4A4.“

Was sagen deine Freunde und Familie zum Thema E-Sport?

_Seeeyaa: „(Lacht) Unterschiedlich – manche Freunde finden es cool, weil sie selbst in der E-Sportszene etwas drin sind. CS:GO kennt dort eigentlich jeder E-Sportler. Die Familie ist eher negativ eingestellt, weil sehr viel Zeit in den E-Sport investiert wird. Man ist halt der Meinung, dass man lediglich am PC sitzt. Die Meinung hat sich etwas geändert, als bemerkt wurde, dass ich bei einigen Turnieren etwas Geld gewonnen hatte. Es diente quasi als Rechtfertigung, dass es doch nicht nur so ein Zeitvertreib ist. Meine Freundin akzeptiert es zwar, versteht aber auch nicht, wie man stundenlang am PC sitzt und Ballerspiele daddelt. Sie weiß aber, dass es mir gefällt, und damit ist es in Ordnung.“

[fake]maxxe: „Die sehen das eigentlich relativ positiv. Die Familie findet es sogar ziemlich cool. Bei mir ist so, ich habe mich mit dem Sozialisieren immer schwer getan, aber bei Spielen fiel es mir immer am Leichtesten. Ich profitiere da sehr von Munich eSports, da ich dort jetzt viele coole Leute kennenlerne, wo es mich eigentlich überhaupt nicht stört, mit denen was zu machen. Und die Familie freut sich da auch darüber, dass ich mich da sehr involviere und sehr viel Spaß habe.

Da ich wieder zuhause wohne, bekommen sie das auch zwangsläufig mit, wenn ich ein bisschen abgehe, weil unser Team gerade gut spielt. (Lacht) Das hört man dann im gesamten Haus. Die Freunde freuen sich auch. Sie merken aber auch, dass ich da deutlich mehr Zeit in das Team investiere. Die Balance zu finden ist das Schwierigste dabei. Ein bisschen vermisst werde ich wohl schon von den Leuten, die mit Counterstrike nicht so viel anfangen können.“

MBH40: „Ich bin ja schon etwas älter und früher gab es so etwas wie den heutigen E-Sport nicht. Es gab keinen richtigen E-Sport, sondern nur Gruppen, die das interessiert hat. Mit meinen Eltern habe ich da ehrlich gesagt nie darüber geredet. Das ist eine andere Generation. Auch mit meinen Freunden habe ich da nie darüber geredet. Die sind eher am Fußball interessiert. Ich bin da auch eher so reingerutscht. Als CS:GO damals angefangen hat, gab es vielleicht 500.000 Zuschauer. Dann war ich drei Jahre inaktiv und plötzlich waren es 1.2 Millionen. Und wenn ich jetzt sehe, dass auf dem TV-Sender Sport 1 die Grand-Finals laufen, ist das unreal für mich.

Ich komme eben aus einer Zeit, wo so was nicht im Free-TV lief und es auch nicht so viele Leute geschaut hatten. Deshalb kann ich mich auch mit niemandem unterhalten – es ist nicht so interessant für die. Es wird jetzt erst richtig groß – Gott sei Dank. Auch z.B. durch Media Markt oder Saturn, die sehr viel im Bereich Gaming machen. Hier in Deutschland ist das noch alles in den Kinderschuhen. Die Firmen merken aber jetzt, dass der Markt riesig ist und man ’ne Menge Geld damit machen kann. Kann sein, dass man sich mit den Kindern in ein paar Jahren leichter darüber unterhalten kann. Man ist dann ja quasi selbst ein Elternteil – es ist dann einfacher, wie wenn ich jetzt mit meinen Eltern darüber reden würde.“

oRioN: „Meine Familie weiß es wahrscheinlich überhaupt nicht und die Freunde sehen das eigentlich ganz locker, weil ich eben mit denen zusammen spiele.“

StoneX: „Meine Eltern sind definitiv keine Fans von Computerspielen. Gerade bei den Ego-Shootern sind sie der Meinung, dass das nicht so gut für die Psyche sein kann. Da ist auf jeden Fall keinerlei Support da. Sie haben aber gelernt, es zu akzeptieren, und beschweren sich nicht mehr. Sie sind aber noch sehr weit davon entfernt, es gut zu heißen. Meine zwei jüngeren Brüder finden das allerdings cool und haben da gar nichts dagegen und spielen auch selbst ein bisschen. Bei den Freunden ist es so, dass die meisten auch selbst spielen oder unsere Matches anschauen, falls sie gestreamt werden.

Die Freunde, die keine Gamer sind, stehen eher neutral dazu oder finden es auch gut. Der Großteil der Freunde ist aber eher begeistert davon, weil wir es halt auch etwas professioneller machen. Wenn man da nicht in der E-Sportwelt drin ist, ist man sehr fasziniert davon, wie professionell das alles schon ist. Selbst bei kleinen Teams. Auch mit den Ligen und Training – da gibt es Respekt dafür.“

Munich eSports - CS:GO Team Fire
StoneX aus dem CS:GO Team „Fire“ von Munich eSports
Wie seid ihr auf den Namen des Teams gekommen?

StoneX: „Das ist sehr einfach zu beantworten. Wir hatten am Anfang bei Munich eSports eine Konvention, dass unser erstes Team immer Munich eSports heißen soll, egal welche Abteilung. Das zweite Team heißt Munich eSports Academy und ab dem dritten Team werden dann Pokémon Elemente als Namen genommen. Das heißt Fire, Ice und so weiter. Und wir waren halt das dritte Team und in der Reihenfolge der Liste stand Fire – also hießen wir Fire. Diese Namenskonvention wurde aber jetzt aufgelöst. Das heißt, jetzt kann man seinen Namen, außer das Main- und Academyteam, frei wählen.“

Habt ihr Sponsoren/Unterstützer; bzw. seid ihr Mitglied eines E-Sport-Vereins?

StoneX: „Wie bereits mehrfach erwähnt, sind wir Mitglied bei Munich eSports. Daher überschneiden sich die Sponsoren und Unterstützer. Als Verein Munich eSports werden wir Mitglied bei ESBD (eSport-Bund Deutschland). So viel kann man auf jeden Fall sagen. Und als Partner haben wir z.B. einen Orthopäden an unserer Seite, Dr. Thore-Björn Haag. Ein ehemaliger Profi-Sportler der eine Kooperation mit uns hat. Als Spieler kann man mit irgendwelchen Beschwerden, wie z.B. Gelenkproblemen – Sehnenscheidenentzündung in der Hand, Rückenproblemen oder ähnlichen, zu ihm gehen. Er gibt einem dann Beratung, was man machen kann oder auch im Zweifel mit ihm trainieren. Da haben wir uns so zu sagen einen Profi ins Team geholt.

Ansonsten haben wir, glaube ich, keine festen Sponsoren, aber wir haben schon verschiedene Kooperationen mit Unternehmen gehabt. Z.B. hatten wir im November einen Monat eine Lokation, also quasi ein Vereinsheim. Dies wurde dann aber leider abgerissen. Damals hat Tentelian Gaming, die auch aus München kommen, uns sechs High-End Gaming PCs für den Practice-Raum zur Verfügung gestellt. Tentelian hat uns auch unsere T-Shirts drucken lassen. Mit ihnen haben wir schon einige Kooperationen gemacht. Wir sind dran, mit M-Net eine Internetkooperation einzugehen. Es gibt noch weitere kleine Sachen, aber einen, großen Sponsor haben wir nicht.“



Wie sieht eure Wochenplanung aus?

StoneX: „Wir schauen meistens sonntags, da spielen wir sowieso meistens ab 18 – 19 Uhr, wie es in der nächsten Woche zeittechnisch aussieht und machen dann Termine aus. In der Regel sind es dann drei Trainingstage à 4 Stunden, wenn es gut läuft vier Trainingstage à 4 Stunden. Die meisten Trainingseinheiten gehen von 18 – 22 Uhr. An einem dieser Tage ist dann auch meistens ein Ligaspiel. Wir haben eben kein festes Trainingsprogramm, sodass wir sagen, an diesem Tag machen wir Trainingsspiele und am nächsten Tag schauen wir uns Videos an. Das ist meistens spontan, je nachdem was gerade ansteht.“

[fake]maxxe: „Ein bisschen unterscheiden muss man noch zwischen On- und Offseason. Da wir grade mit der Season fertig geworden sind, ist es dann auch ein bisschen lockerer. Obwohl wir schon gemerkt haben, man sollte schon ein Minimum an Training beibehalten, weil man einfach schlechter wird mit der Zeit.“

An welchen Turnieren habt ihr bis jetzt teilgenommen? Nehmt ihr grade an welchen Teil; bzw. welche sind in Planung?

StoneX: „Wir haben an diversen Turnieren teilgenommen, die entweder von Munich eSports oder von andern, uns bekannten, Organisatoren veranstaltet wurden. Das sind dann meistens andere Unis. Die kennen wir von der Uniliga. Das Main Team und das Academy Team spielen in der Uniliga. Was wir recht regelmäßig machen, ist an FACEIT Turnieren teilzunehmen. Als externer Match-Making-Anbieter, machen sie jeden Tag mehrere Turniere, an denen man sich einfach ganz spontan anmelden kann. Da nehmen wir heute teil (Anm. d. Red.: Das Interview fand Ende Juli statt). Es gibt eigentlich keine Turniere, die über eine längere Zeit als 2 – 3 Tage gehen.“

[fake]maxxe: „Aber das eigentlich für uns Interessante ist die Liga. Weil man da regelmäßig 1 – 2 Matches pro Woche hat. Turniere sind schon anstrengender. Da hat man 1 – 3 Tage mindestens 2, 3 oder 4 Matches an einem Tag.“

StoneX: „Wir hatten schon ein Turnier, da hatten wir 5 – 6 Matches an einem Tag. Die Liga, an der wir teilnehmen, ist 99Damage. Das ist die mit Abstand größte deutsche, wenn ich mich nicht irre, sogar die größte CS:GO Liga überhaupt. Ich glaube, die hatten diese Season wieder ca. 1.500 teilnehmende Teams. Da kann sich jedes Team kostenlos anmelden. Sie ist, glaube ich, drei Mal im Jahr.“

Munich eSports - CS:GO Team Fire
v.l.n.r. StoneX und [fake]maxxe aus dem CS:GO Team „Fire“ von Munich eSports
Wie läuft so ein Turniertag/Ligatag bei euch ab?

StoneX: „Ligatag ist nichts besonderes. Das sind einfach zwei best of one. Also zwei Maps Back to Back. Das sind zwei Stunden. Da trifft man sich zu dem vereinbarten Zeitpunkt mit dem Gegnerteam, spielt diese zwei Maps und danach chillt man noch ein wenig oder schaut sich die Spiele an. Aber mehr macht man da eigentlich nicht mehr.

Ein Turniertag, nehmen wir mal den heutigen Tag, fängt um 18 Uhr an. Man meldet sich im Voraus an und muss eine halbe Stunde vorher mit seinem Team den Check-in machen, dass man eben sagt, das Team ist anwesend. Dann wird um 18 Uhr automatisch das Team zugewiesen – man hat also seinen Turnierbaum. Je nachdem wie viele Teams dabei sind, ist er eben größer oder kleiner. Man spielt dann immer eine Map bis ins Finale. Das geht dann Schlag auf Schlag. Man startet um 18 Uhr, spielt sein Spiel und, wenn der nächste zugewiesene Gegner fertig ist, startet das nächste Match. Wenn man halt bis ins Finale kommt, kann das schon mal 5 – 6 Stunden dauern.“

_Seeeyaa: „An den Ligatagen treffen wir uns schon eine Stunde vorher und besprechen noch, was wir uns vorgenommen haben. Oder eben, auf was wir aufpassen müssen, was wir in unseren Analysen festgestellt haben. Die Turniere, wie z.B. das FACEIT Turnier, sind halt eben da, um Fehler nicht mehr zu wiederholen und neue Sachen auszuprobieren, die wir dann in der Liga anwenden möchten.“

[fake]maxxe: „Ein Turnier ist nicht immer nur Best of one. Bei Turnieren, die wir schon gemeinsam mit Initiative Heimspiel gemacht haben, war die Gruppenphase Best of one und ab dem Viertel- bzw. Semi-Finale, die dann mit Castern gestreamt wurden, Best of three. Das ist dann schon besser, wenn man nämlich nur ein Best of one hat und die Map läuft nicht so gut, oder der Gegner ist halt genau in der Map richtig gut, zeigt es nicht unbedingt dein Können. Es gibt noch Best of five, aber das ist dann schon Overkill, finde ich.“

SoneX: „Genau! Deshalb: Ein klassischer Turniertag ändert sich halt eben mit der Turnierstruktur.“

Was war euer größter Erfolg in der Liga?
[fake]maxxe: „In der Liga gibt es eben verschiedene Divisionen. Division 1 – 6. Wenn man sich anmeldet, landet man in einer Starter Division. Je nachdem wie gut man in dieser Starter-Season ist, kommt man in die 4. – 6. Division. Wir waren in der fünften und sind nun aufgestiegen in die 4. Division. Ab der 3. Division sind da schon sehr sehr gute Spieler dabei. Ich glaube, die Spiele der ersten beiden Divisionen, könnte man schon semi-professionell nennen. Den Aufstieg müssen wir auf jeden Fall noch feiern.“

Habt ihr schon Turniere gewonnen? Wenn nein, was war euer größter Erfolg? Wenn ja, welche/s?

StoneX: „Ja, wir haben schon eins gewonnen. Das war ein FACEIT Turnier. Da muss man allerdings dazu sagen, FACEIT ist ein externer Matchmaking Anbieter. Man hat dort seinen FACEIT Level. Also er repräsentiert quasi deinen Spielskill bzw. Rang. Die Turniere sind immer für einen bestimmten Bereich an Durchschnittslevel im Team zulässig. Wir nehmen an Turnieren teil, die quasi für den mittleren Bereich im Skill-Level sind. Es gibt natürlich auch Turniere für die Top-Teams. An denen nehmen wir nicht teil. Wenn ich jetzt sage, wir haben ein Turnier gewonnen, ist das im Zweifel nicht der Big-Deal. Weil da nicht die krassesten Teams dabei waren, aber ich würde sagen, ein guter Skill-Level.“

[fake]maxxe: „Wir waren aber schon sehr stolz darauf und wollen und natürlich weiter nach oben arbeiten.“

(Anm. d. Red: Jedes Turnier, das ein Team gewinnt, ist immer etwas wert, egal, auf welcher Elo ihr spielt. Gewonnen ist gewonnen und ist immer ein großer Erfolg. Vergesst das nie!)

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft/wo wollt ihr hin?
[fake]maxxe: „Wir sind jetzt, wie schon erwähnt, in die 4. Division der 99Damage Liga aufgestiegen. Unser Ziel ist es, in der nächsten Season in der 4. zu bleiben und vielleicht es dann auch mal in die 3. Division zu schaffen. Der Unterschied zwischen den niedrigen und höhren Divisionen ist, das man zwischen der 4. und der 3. Division und weiter nach oben Relegationsspiele hat, die ziemlich hart sind. Also da muss man schon fast turniermäßig darum spielen, dass man aufsteigen kann. Aber, wir haben Bock drauf!“

_Seeeyaa: „Was man dann noch dazu bedenken muss: Sobald man in der dritten Division ist, oder wirklich Lust hat, dort zu spielen, sind eigentlich 5 – 6 Trainingstage pro Woche Pflicht. Ansonsten ist das nicht machbar.“

StoneX: „Was ich als guten Vergleich finde, ist die Bundesliga. Also 3. Division ist 3. Bundesliga.“

Munich eSports - CS:GO Team Fire
Mitglieder der CS:GO-Abteilung von Munich eSports beim Showmatch auf der Gründungsfeier
Wie sieht die Gesellschaft den Stellenwert des E-Sports in euren Augen?

StoneX: „Ach du Scheiße 😀 .“

_Seeeya: „Ich fang mal an. Ich kenn das aus meiner Entourage, wenn ich das mal so sagen darf. Die Leute realisieren mehr und mehr, dass der E-Sport nicht nur für Nerds ist. Die Vorurteile fallen da so langsam etwas weg. Was man in der Coronazeit einfach sieht, ist, dass viele Spitzensportler auf E-Sport zurückgreifen. Ob das jetzt Formel 1 oder Fußball ist. Man merkt auch die, die im Leistungssport tätig sind, dass sie auch dem E-Sport nahe sind. Und so werden diese Vorurteile, die es zum E-Sport gibt, mehr und mehr entkräftet. Das finde ich persönlich gut, da ich mich immer rechtfertigen musste mit Was ist so toll am Zocken? etc. Aber nun verstehen auch die Leute, dass es eine Sache ist, die immer mehr wächst. Man sieht dies nicht nur an Zuschauerzahlen oder an Preisgeldern. Man merkt auch, dass viele Jugendliche das mehr und mehr machen.“

StoneX: „Da schließe ich mich an. Es wurde ja grade gesagt, die Vorurteile werden immer weiter aufgelöst. Aber das ist der Punkt. Es gibt noch Vorurteile. Ich hab es vorhin schon im Interview gesagt, bei meiner Familie ist das extrem krass. Die haben extreme Vorurteile – allgemein gegen Gamer aber auch gegen den E-Sport. Das hat sehr viel Arbeit gekostet, ihnen erst mal zu erklären, was ich hier mache. Ich bin nicht im dunklen Keller und gammel da vor mich hin, sondern ich betreib teilweise sehr anstrengenden Sport. Außerdem habe ich regulierte Trainingszeiten. Ich zieh das Ganze professionell auf. Da ist eben in Deutschland noch superwenig awareness dafür da.

In andern Ländern ist das ein ganz ganz anderes Thema. Ich mein in Schweden hängen in der U-Bahn Poster von den E-Sport-Profis. In Dänemark macht Audi Sponsoring mit den Top-Teams. Das würde bei uns, in Deutschland, nicht mal infrage kommen. Dass ein Unternehmen Sponsoring mit einem Team macht, dass ein Ballerspiel spielt. Es kommt manchmal schon vor, aber eher selten. Warsteiner, also die Bier-Marke, hat eine Kooperation mit 99Damage und die sind da nun Hauptsponsor. Da gehen die ersten Schritte der Unternehmen in die richtige Richtung. Es ist eben leider noch sehr wenig Akzeptanz da. Ich denke, das ist der aktuelle Status.“

Was würdet ihr euch wünschen?

StoneX: „Mehr Akzeptanz!“

[fake]maxxe: „Wünschen? Also ich glaube, man muss es sich nicht unbedingt wünschen. Ich glaube, was passieren wird, ist, dass mit den ganzen Gamer-Kindern – also in 10 – 20 Jahren, wenn diese selber Eltern sind – viele Probleme nicht mehr existieren werden. Da schon die Grundlage, das Verständnis dafür, komplett anders ist.“

StoneX: „Im Sinne von Wünschen. Was ich mir super super gerne wünschen würde, ist, dass die Politik mehr macht. Sie hat eigentlich schon Anzeichen in die richtige Richtung gegeben. Als die Koalition gebildet wurde, haben sie gesagt, dass sie den E-Sport fördern wollen und ihn sogar als Sport anerkennen möchten. Dass sie auch, ich glaube, ca. 50 Millionen in die Förderung des E-Sports investieren möchten. Das Alles wurde nun zurückgenommen. Was einfach völlig absurd und bescheuert ist. Aber da ist die Politik einfach ein sehr großer Faktor. Mit einer konservativen Partei an der Spitze gibt es natürlich einen sehr starken Leitfaden, wenn du sagst, der E-Sport ist kein Sport.“

Der DFB bzw. bzw. der komplette Sportverband Deutschland ist auch derselben starken Meinung und erkennt es nicht an. Wenn du solche Leute hast und der Großteil der deutschen Bevölkerung ist auch älter und hat keine Ahnung von Computerspielen, dann hängen die sich eben an Aussagen von den bekannten Personen auf. Und deswegen sollten die bekannten Menschen in Deutschland, die etwas zu sagen haben, also quasi die Politik, ihre Einstellung mal überdenken. Das wäre mein größter Wunsch. Das sie sehen: Das ist nicht so doof, wie ich immer dachte. Mal so stumpf gesagt.“

Munich eSports - CS:GO Team Fire
[fake]maxxe vom CS:GO Team „Fire“ von Munich eSports
Wenn ihr etwas an CS:GO verändern könntet, was wäre das?

_Seeeya: „Matchmaking Server.“

[fake]maxxe: „Ja ok langsam. Du musst unterscheiden zwischen den ganzen kleinen Sachen, die jeden Spieler aufregen, jeden Tag und die großen Sachen, wo du dir denkst ok, das wäre jetzt nötig. Da muss ich erst mal überlegen.“

_Seeeya: „Ja ok – prinzipiell ist es schwer zu sagen. Ein komplettes Spiel zu verändern, ist schon schwer. Es gibt so Kleinigkeiten, die, wenn man sich viel mit dem Spiel beschäftigt, auffallen. Wie eben Server. Da liegt es aber daran, dass viele, die dieses Spiel anfangen zu spielen, eben keine High-End-Computer haben und dadurch nicht dieselben Probleme haben, wie Spieler, die pro Woche 50 – 60 Stunden spielen. Da fällt es auch nicht so auf. Aber prinzipiell denke ich, dass wie früher Seasons oder Operations mehr kommen. Das hat einfach etwas Spezielles dazu gebracht.“

StoneX:“Was ich sagen würde, dadurch das CounterStrike schon seit über 20 Jahren existiert, ist das Spiel schon sehr sehr ausgereift in dem, was es ist. Es macht das allermeiste sehr richtig, deswegen ist es auch so beliebt. Ich sag mal, alles, was jetzt gesagt wird, ist Meckern auf ganz hohem Niveau. Das muss man einfach noch mal sagen, das Spiel macht sehr viel ziemlich richtig.“

[fake]maxxe: „Man kann da vielleicht Parallelen zu Valorant ziehen. Was so DER CounterStrike Konkurrent ist. Die Leute dahinter gehen schon viele richtige Wege. Das sie alleine dieses Riesen Ökosystem mit z. B. FACEIT zulassen, ist schon Wahnsinn. Sie geben dir sehr viele Möglichkeiten, aber auch eben in beide Richtungen. Es ist sehr viel Positives dabei, aber z. B. diese Gambling Geschichte mit den Minderjährigen, die es da gab, das war nicht so geil. Sie sind zwar dagegen vorgegangen, aber ich glaube in einer kleineren Version existiert es leider immer noch. Aber ansonsten, CS:GO ist jetzt auch schon wieder sieben Jahre alt, vielleicht, dass man es technisch etwas verbessert, aber das ist schon ein großes Unterfangen. Wenn so viele Leute täglich, ich glaube monatlich um die 15 Millionen Spieler, darauf vertrauen, kann ich verstehen, dass es Zeit braucht. Aber sieben Jahre ist schon eine lange Zeit.“

Möchtet ihr noch etwas loswerden, was ihr unseren Lesern sagen möchtet?

StoneX:“Wenn ihr aus München kommt, solltet ihr auf munich-esports.de gehen, weil eine lokale Gaming-Community zu finden, ist leider eine Seltenheit, vor allem in CounterStrike. Die Gelegenheit ist einfach supergeil, die solltet ihr nicht auslassen. Bzw. generell, wenn ihr aus irgendwelchen Städten seid, sucht nach den Unis der Städte und nach E-Sports-Organisationen. Sehr viele, z. B. Stuttgart, Berlin, Dortmund, Kiel usw. haben alle ihre E-Sports-Organisationen. Und dort findet man eigentlich immer lokale Leute zum Zocken. Das ist sehr sehr geil. Den Tipp gebe ich an jeden weiter. Ich wusste das z. B. damals nicht.

Und zum Schluss, wenn ihr die Gelegenheit habt, solltet ihr CounterStrike ausprobieren und dann nicht nur für eine Stunde. Sucht euch vier andere Freunde und zockt das wirklich 30 – 40 Stunden zusammen. Es lohnt sich. Funktioniert auch auf jeden Gammel-PC. Das ist das Gute an dem Spiel.“


Munich eSports-Logo
Über „Munich eSports“:
Munich eSports
Munich eSports

„Munich eSports“ wurde, laut eigenen Angaben, für „Gaming-begeisterte Menschen in und um München gegründet“. Für den eingetragenen Verein steht der E-Sport mit all seinen Facetten im Vordergrund. Durch ihr soziales Netzwerk und die lokale Orientierung schaffen sie einen Raum für E-Sports-Begeisterte, wo sie ihre motorischen, geistigen und sozialen Kompetenzen erweitern können, sowie die Möglichkeit, sich in einer Gemeinschaft aus Gleichgesinnten einzubringen. „Munich eSports“ möchte professionellen ebenso wie freizeitorientierten Spielern bei der Gründung und Organisation ihrer Teams unterstützen und rücken dadurch nicht nur den kompetitiven Gedanken, sondern auch den Austausch untereinander in den Vordergrund.

Dieser Verein wurde auf dem Gedanken einer Community gegründet und so agiert er auch: miteinander – füreinander. Neben einer offenen Community gibt es regelmäßige Veranstaltungen rund um E-Sport, wie zum Beispiel Public Viewings, Online- und Offline-Turniere oder gemeinsame Fahrten zu den großen Gaming Events.

Hier ein paar Vorteile, die du als Mitglied von „Munich eSports e.V“. genießt:

  • Starke Vergünstigungen bei oben genannten Events
  • Exklusiver Zugang zu internen Veranstaltungen
  • Eine ständig wachsende Community, wo sich neue Mitspieler und Freunde finden lassen
  • Professionelle Strukturen für individuelle und teambasierte Coachings
  • Teams, die erfolgreich an Ligen und Turnieren teilnehmen
  • Vergünstigte, exklusive Trikots und weitere Merchandiseartikel
  • Zugang zu Produkten und Services der Partner

Wer Interesse am Verein hat, kann sich per Discord, Twitter, Twitch, Facebook, Instagram, Youtube oder der Webseite dort melden. Oder ihr benutzt das Kontaktformular von „Munich eSports e.V.“.


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Quelle/Bildquelle: Team Fire, Munich eSports